Freitag, 5. Januar 2018

‚Kintsugi‘ oder ‚das Goldflicken‘



In einer Fortbildung habe ich eine neue Sichtweise erfahren.
Sie kommt aus dem Japanischen und heißt Kintsugi. Es ist eine Methode um ein Gefäß, das kaputt gegangen ist, wieder zu reparieren. Für diese Reparatur wird jedoch kein Kleber verwendet sondern Gold, statt einer durchsichtigen Substanz kommt ein wertvolles Metall zum Einsatz.
 „Wenn die Japaner ein kaputtgegangenes Gefäß reparieren, würdigen sie die Bruchstelle, indem sie den Spalt mit Gold auffüllen. Sie glauben, dass eine Sache, die verwundet worden ist und damit eine Geschichte hat, schöner wird.“ Hierdurch wird die verloren gegangene Ganzheit nicht verborgen, sondern die Geschichte, die die Wiederherstellung gezeigt, sogar hervorgehoben.

Etwas Kaputtes wid nicht nur wiederhergestellt, sondern auch noch verschönert.

Mir gefällt dieser Gedanke, der dahinter steht. Beratung ist wie Kintsugi.
Klienten, die zu mir in die Praxis kommen, haben oft einen ‚Bruch‘ in ihrem Leben erfahren. Das macht sie i. d. R. erst einmal unglücklich oder traurig, vielleicht auch wütend. Manchmal höre ich dann auch den Spruch:

„Ich stehe vor einem Scherbenhaufen!“ – das Selbstwertgefühl ist gestört.

In der Beratung erarbeiten wir gemeinsam die Wiederherstellung des eigenen Selbstwertgefühls. 

Wir schauen uns an, was zu Bruch gegangen ist. 

Wir finden gemeinsam neue Wege durch neue Sichtweisen und bauen so Stück für Stück ein neues Selbstwertgefühl auf. 

Es gehört aus meiner Sicht sehr viel Wertschätzung dazu, d. h. zu erkennen, dass der Klient in jeder Situation nur so handeln konnte, wie er gehandelt hat. Er hat für sich in jeder Situation die für sich beste Entscheidung getroffen. Was sich daraus dann weiter entwickelt hat, kann erst im Nachgang erkannt werden. 

Ich denke, diese Erkenntnis ist bereits ‚Gold wert‘.

Am Ende steht für den Klienten ein neues Selbstwertgefühl. Es beinhaltet die Erkenntnis, dass der Bruch zum Leben mit dazugehört. Durch diesen Bruch ist etwas Neues möglich geworden. Das ermöglicht dem Klienten, sich wieder selbst wertzuschätzen.

Durch neue Sichtweisen ist auf eine gewisse Art sein Leben reicher und auch schöner geworden. Wie im ‚Kintsugi‘!



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